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Putins Verbrechen an der Umwelt

Ukraine Newsletter 23

Liebe Leser*innen

Mit dem Newsletter über den Ukrainekrieg möchten wir auf Aspekte eingehen, die in den tagesaktuellen Nachrichten untergehen und welche aus linker, antimilitaristischer Sicht besonders interessant sind. Jeden Tag wird – zu Recht – viel über das Leid der ukrainischen Bevölkerung berichtet, doch in der Ukraine leben nicht nur Menschen: Das zweitgrösste Land Europas ist auch die Heimat unzähliger Pflanzen- und Tierarten, die stark unter der Invasion Russlands leiden. Mit dem Einmarsch im Februar wurden auf einen Schlag jahrzehntelange Arbeit zum Schutze der Natur in der Ukraine zunichte gemacht. Dies ist äusserst tragisch, weil illegale Abholzung und Umweltverschmutzung durch die Schwerindustrie grosse Probleme in der Ukraine waren, welche in den letzten Jahren langsam unter Kontrolle gebracht wurden.

Aufgrund der veränderten Prioritäten ist fast jegliche Kontrolle zur Einhaltung von Umweltregelungen oder der Überwachung von Naturschutzgebieten weggefallen. Dies stellt nicht nur für die Ukraine , sondern auch für die globalen Anstrengungen, der Klima- und Biodiversitätskrise Einhalt zu gebieten, ein grosses Problem dar.

Die Auswirkungen des Krieges auf lokale Ökosysteme und das globale Klima sind unglaublich vielfältig und bedingen einer detaillierten Aufarbeitung. Die Artikel des WWF und des Sierra Clubs bieten dabei einen guten Überblick, leider sind beide nur auf Englisch verfügbar.

Die nächste Frage, die sich uns jedoch stellt, ist der Stellenwert, den die Umwelt auf der politischen Agenda haben wird, wenn dieser Krieg einst enden wird. Zurzeit sammelt das  ukrainische Umweltministerium Beweise für Umweltverbrechen vonseiten Russlands. Sollten die Verantwortlichen einst am Internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden, so könnten ihnen auch Verbrechen an der Umwelt vorgeworfen werden. Dies wäre zumindest die Idee.Ob es je dazu kommen wird, ist unklar. Auch westliche Länder wie die USA haben kein grosses Interesse, Umweltschäden bei Kriegen zu ahnden. Der Einsatz von Agent Orange, ein Entlaubungsmittel, im Vietnamkrieg hat bis heute Folgen für die Gesundheit der vietnamesischen Bevölkerung. Die US-Regierung hat sich bis heute nicht offiziell für diese Umweltverbrechen entschuldigt.

Die Ukraine wird nach dem Ende des Krieges wieder aufgebaut werden müssen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass dies unter Berücksichtigung von Biodiversitäts- und Klimazielen erfolgt. Alleine der benötigte Beton würde eine Unmenge an Treibhausgasen ausstossen. Ukrainische Umweltgruppen, Gewerkschaften und linke Aktivist*innen fordern daher bereits jetzt einen Plan für einen ökosozialen Wiederaufbau. Die Voraussetzungen für ein klimafreundliches Verkehrssystem sind durch ein gut ausgebautes Schienensystem bereits vorhanden.

Gewinnt aber Russland diesen Krieg und besetzt einen grossen Teil der Ukraine permanent, so wäre dies nicht nur für die Menschen in der Ukraine, sondern auch für die Umwelt eine Katastrophe.