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Newsletter Ukraine 13

Liebe Leser*innen,

Heute morgen hat es mir beim Blick in die Schlagzeilen die Sprache verschlagen. Obwohl die folgenden Schilderungen schwer zu lesen sind, finde ich es wichtig, die Realität des Krieges nicht zu verschönern. Wer Beschreibungen von Gewalttaten nicht lesen mag, soll den ersten Abschnitt auslassen. Bilder werden wir in unseren Newslettern nicht zeigen.

In Butscha, einer kleinen Vorstadt von Kiew, sind nach Angaben einer Zeugin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sowie weiteren Anwohner*innen und Journalist*innen mehrere hundert Zivilist*innen ermordet worden. Ein Teil der Opfer sei gefesselt gefunden worden, andere mit ihren täglichen Einkäufen am Strassenrand liegend. Dem Bürgermeister zufolge hätten ukrainische Kräfte allein am 1. April die Leichen von 280 Menschen in Massengräbern beerdigt. Diese Information lässt sich nicht unabhängig bestätigen, es wurden jedoch bereits jetzt schwere Vorwürfe gegen den Kreml erhoben. Die UNO-Hochkommissarin Michelle Bachelet hat nun unabhängige Untersuchungen nach einem möglichen Kriegsverbrechen gefordert. Dies ist trotz der vorangehenden Gräueltaten eine weitere Eskalation der Gewalt im Krieg in der Ukraine: Ukrainische Männer, Frauen und Kinder werden nun nicht nur durch den Abwurf von Bomben oder den Beschuss von Gebäuden getötet, sondern gezielt exekutiert. 

Das Gelb-Blau-Bekenntnis: Taten oder Worte?

Die internationalen Reaktionen sind dementsprechend stark. Die EU will die Sanktionen gegen Russland umgehend verstärken, die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock bezeichnet die Geschehnisse als Kriegsverbrechen. Obwohl  Informationen oftmals aus ungesicherten Quellen stammen ist klar: Jedes Todesopfer, ob Zivilist*in oder gefallene*r Soldat*in ist eines zu viel. Die Sanktionen weiter zu verschärfen, wird den aktuellen Kriegsverlauf nicht umgehend beeinflussen, die Wirtschaft Russlands jedoch langfristig massiv schwächen. Dort, wo der Westen allerdings selbst eine massive Einschränkung erfahren würde, wird weiterhin gezögert: Bei einem Importverbot von russischem Erdöl und -gas. Mit jedem vergangenen Kriegstag wird das Nichtbeschliessen des Importverbots jedoch beschämender und unverzeihlicher. Interessant ist hierbei auch die Einordnung der WOZ, die zeigt, auf welche Seiten sich die verschiedenen Schweizer Parteien stellen: Auf diejenige des Geldes – oder diejenige der Menschen? Eines vorneweg: Es reicht nicht, die Twitter-Biographie mit gelb-blauen Herzchen zu schmücken.

Die Bilder und Nachrichten, die uns tagtäglich erreichen, sind schwer zu verkraften. Es ist wichtig zu betonen, dass es normal ist, verzweifelt zu sein, Angst, Unsicherheit oder Trauer zu verspüren. Die Dargebotene Hand bietet eine anonyme, telefonische Hotline, die rund um die Uhr erreichbar ist. Du musst nicht stark sein. Was passiert, ist grausam. Umso wichtiger ist es, umsichtig mit unseren Mitmenschen und uns selbst umzugehen, und unsere Solidarität, Wut und Trauer in etwas Fruchtbares umzuwandeln. Setzen wir radikale Menschlichkeit dem Krieg entgegen.